Kognitive Verzerrungen: 
Entscheidungsfehler verstehen

by Heilpraktikerpraxis für Psychotherapie Ulrike Mehmood

in psychische Gesundheit verbessern, Verhalten verstehen

Kognitive Verzerrungen sind Denkfehler, die unsere Wahrnehmung der Realität beeinflussen. Diese Verzerrungen entstehen durch verschiedene mentale Prozesse im Gehirn und können erhebliche Auswirkungen auf unsere Entscheidungen und Interaktionen im Alltag haben. In diesem Artikel werden wir die häufigsten kognitiven Verzerrungen beleuchten, ihre Mechanismen erklären und aktuelle Studien sowie Statistiken zur Untermauerung der genannten Konzepte einfügen. Zudem geben wir praktische Tipps zur Selbstreflexion und integrieren den sokratischen Dialog als Werkzeug.

1. Die Funktionsweise des Gehirns

Das menschliche Gehirn ist ein komplexes Organ, das aus verschiedenen Regionen besteht, die unterschiedliche Funktionen erfüllen. Zwei zentrale Bereiche, die an der Informationsverarbeitung und Entscheidungsfindung beteiligt sind, sind der präfrontale Kortex und das limbische System.

  • Präfrontaler Kortex: Verantwortlich für höhere kognitive Funktionen wie Planen, Entscheiden und kritisches Denken. Er hilft uns, rationale Entscheidungen zu treffen und unsere Impulse zu kontrollieren.
  • Limbisches System: Steuert emotionale Reaktionen und die Verarbeitung von Erinnerungen. In stressigen oder emotionalen Situationen kann es impulsive Entscheidungen fördern, die nicht rational sind.

Neurologische Studien

Aktuelle Studien zeigen, dass das Zusammenspiel zwischen diesen Hirnregionen entscheidend ist. Eine Untersuchung von Kahneman und Tversky (1979) belegt, dass emotionale Einflüsse auf die Entscheidungsfindung oft zu irrationalen Urteilen führen. Neurowissenschaftliche Forschung hat außerdem gezeigt, dass das limbische System bei emotionalen Entscheidungen überaktiviert wird, was zu kognitiven Verzerrungen führt.

2. Häufige kognitive Verzerrungen

Hier sind einige der häufigsten kognitiven Verzerrungen, ihre Mechanismen und greifbare Beispiele aus dem Alltag:

a. Bestätigungsfehler (Confirmation Bias)

Definition: Die Tendenz, Informationen zu suchen und zu interpretieren, die unsere bestehenden Überzeugungen bestätigen.

Mechanismus:

  • Das Gehirn belohnt uns mit Dopamin, wenn wir Informationen finden, die unsere Ansichten unterstützen, was die Tendenz verstärkt, solche Informationen zu suchen.

*Beispiel: Eine Studie des *American Psychological Association (2018) zeigt, dass Menschen in politischen Diskussionen häufig nur die Informationen suchen, die ihre Ansichten bestätigen. Dies führt zu einer verstärkten Polarisierung und einem Mangel an Verständnis für andere Perspektiven.

b. Verfügbarkeitsheuristik (Availability Heuristic)

Definition: Die Beurteilung der Wahrscheinlichkeit von Ereignissen basierend darauf, wie leicht ähnliche Ereignisse in den Sinn kommen.

Mechanismus:

  • Emotionale Erlebnisse bleiben leichter im Gedächtnis, wodurch wir bestimmte Ereignisse als wahrscheinlicher wahrnehmen.

*Beispiel: Laut einer Umfrage von *Gallup (2020) glauben 70 % der Befragten, dass die Kriminalität in ihrer Region zugenommen hat, obwohl die Statistiken oft einen Rückgang zeigen. Dies wird durch übermäßige Medienberichterstattung über bestimmte Verbrechen verstärkt.

c. Anker-Effekt (Anchoring Effect)

Definition: Die Tendenz, sich zu stark auf die erste erhaltene Information (den „Anker“) zu stützen.

Mechanismus:

  • Der Anker fungiert als Referenzpunkt, der nachfolgende Urteile beeinflusst.

*Beispiel: In einer Studie von *Tversky und Kahneman (1974) wurde gezeigt, dass Teilnehmer, die zuerst mit einer hohen Zahl (z.B. 1.000) konfrontiert wurden, beim Schätzen eines Preises für ein Produkt eine höhere Zahl angaben als Teilnehmer, die mit einer niedrigeren Zahl (z.B. 10) begannen.

d. Überoptimismus (Optimism Bias)

Definition: Die Tendenz, positive Ereignisse zu überschätzen und negative zu unterschätzen.

Mechanismus:

  • Positive Emotionen fördern optimistische Sichtweisen, während negative Ereignisse oft weniger Beachtung finden.

*Beispiel: Eine Studie von *Weinstein (1980) zeigt, dass die Mehrheit der Menschen glaubt, weniger wahrscheinlich Opfer von Krankheiten oder Unfällen zu werden als andere. Dies führt zu unvorsichtigem Verhalten, wie z.B. beim Autofahren oder Rauchen.

e. Kognitive Dissonanz

Definition: Kognitive Dissonanz ist das unangenehme Gefühl, das entsteht, wenn eine Person widersprüchliche Überzeugungen oder Gedanken hat. Um den emotionalen Stress zu reduzieren, versucht die Person oft, ihre Überzeugungen oder ihr Verhalten zu ändern.

Beispiel: Jemand raucht, obwohl er weiß, dass Rauchen gesundheitsschädlich ist. Um die Dissonanz zu verringern, könnte er versuchen, mit dem Rauchen aufzuhören oder die Risiken des Rauchens zu bagatellisieren.

Ergänzende kognitive Konzepte

  1. Heuristiken: Heuristiken sind mentale Abkürzungen, die uns helfen, schnelle Entscheidungen zu treffen. Sie können jedoch auch zu Verzerrungen führen, wie bei der Verfügbarkeitsheuristik oder dem Anker-Effekt, da sie auf begrenzten Informationen basieren und nicht immer die Realität widerspiegeln.
  2. Selbstwirksamkeit (Self-Efficacy): Die Überzeugung, dass man selbst die Fähigkeit besitzt, Herausforderungen zu bewältigen, beeinflusst unser Verhalten und unsere Wahrnehmung. Menschen mit hoher Selbstwirksamkeit tendieren dazu, Herausforderungen optimistisch zu begegnen und eher an ihren Zielen festzuhalten, was zu einer Verzerrung der Wahrnehmung führen kann, wenn sie glauben, dass sie alle Risiken vermeiden können.
  3. Emotionale Intelligenz (Emotional Intelligence): Emotionale Intelligenz ist die Fähigkeit, eigene und fremde Emotionen zu erkennen, zu verstehen und zu steuern. Menschen mit hoher emotionaler Intelligenz können ihre Emotionen besser regulieren und sind weniger anfällig für kognitive Verzerrungen, da sie in der Lage sind, ihre Emotionen in Entscheidungsprozesse bewusst einzubeziehen und objektiver zu handeln.

3. Auswirkungen auf den Alltag

Kognitive Verzerrungen beeinflussen unsere Entscheidungen und unsere Wahrnehmung von Risiken. Sie können zu Missverständnissen, Konflikten und uninformierten Entscheidungen führen. Hier sind einige alltägliche Situationen, in denen kognitive Verzerrungen eine Rolle spielen können:

  • In Beziehungen: Wenn Sie einen Streit haben und nur die Fehler des Partners wahrnehmen, während Sie Ihre eigenen Fehler vernachlässigen (Bestätigungsfehler).
  • Im Beruf: Ein Mitarbeiter glaubt, dass sein Projekt immer die besten Ergebnisse liefert, ohne die Meinungen anderer zu berücksichtigen (Überoptimismus).
  • In der Mediennutzung: Sie neigen dazu, Nachrichten zu konsumieren, die Ihre politischen Ansichten bestätigen, was zu einer einseitigen Sichtweise führt (Bestätigungsfehler).

4. Anwendbare Tipps zur Selbstreflexion: Der sokratische Dialog als Werkzeug

Selbstreflexion ist entscheidend, um kognitive Verzerrungen zu überwinden. Der sokratische Dialog, bei dem Fragen anstelle von Antworten im Mittelpunkt stehen, kann dabei besonders hilfreich sein. Hier sind einige Tipps, wie Sie mit der Selbstreflexion beginnen können:

1. Führen Sie ein Reflexionstagebuch

Umsetzung:

  • Nehmen Sie sich täglich Zeit, um Ihre Gedanken und Gefühle aufzuschreiben. Achten Sie auf wiederkehrende negative Gedanken.

Sokratische Fragen:

  • „Was hat diesen Gedanken ausgelöst?“
  • „Welche Beweise habe ich für oder gegen diesen Gedanken?“

2. Praktizieren Sie aktives Zuhören

Umsetzung:

  • Hören Sie aktiv zu, ohne sofort zu antworten. Wiederholen Sie in eigenen Worten, was gesagt wurde.

Sokratische Fragen:

  • „Was bedeutet das für dich?“
  • „Wie fühlst du dich dabei?“

3. Hinterfragen Sie Ihre Annahmen

Umsetzung:

  • Nehmen Sie sich Zeit, um Ihre Überzeugungen zu hinterfragen. Woher kommen sie? Sind sie wirklich wahr?

Sokratische Fragen:

  • „Was würde ich jemandem sagen, der eine andere Meinung hat?“
  • „Welche Alternativen gibt es zu meiner Sichtweise?“

4. Erstellen Sie eine Liste von Gedanken und Gefühlen

Umsetzung:

  • Führen Sie eine Liste von häufigen Gedanken und den dazugehörigen Gefühlen. Analysieren Sie, welche möglicherweise verzerrt sind.

Sokratische Fragen:

  • „Wie realistisch ist dieser Gedanke?“
  • „Welche Beweise sprechen gegen diese Sichtweise?“

5. Nutzen Sie Meditation und Achtsamkeit

Umsetzung:

  • Praktizieren Sie regelmäßig Meditation, um Gedanken zu beobachten, ohne sie sofort zu bewerten.

Sokratische Fragen:

  • „Was macht dieser Gedanke mit mir?“
  • „Welche Emotionen fühle ich in diesem Moment?“

6. Suchen Sie Feedback von anderen

Umsetzung:

  • Bitten Sie Freunde um ehrliches Feedback zu Ihrem Verhalten und Ihren Gedanken.

Sokratische Fragen:

  • „Wie nehmen Sie meine Sichtweise wahr?“
  • „Gibt es etwas, das ich anders machen könnte?“

Glossar

  • Kognitive Verzerrungen: Systematische Denkfehler, die unsere Wahrnehmung und Entscheidungen beeinflussen. Sie können zu irrationalen Urteilen und Entscheidungen führen.
  • Bestätigungsfehler (Confirmation Bias): Tendenz, Informationen zu suchen, zu interpretieren und zu erinnern, die bestehende Überzeugungen bestätigen, während widersprüchliche Informationen ignoriert werden.
  • Verfügbarkeitsheuristik (Availability Heuristic): Beurteilung der Wahrscheinlichkeit von Ereignissen basierend auf der Leichtigkeit, mit der ähnliche Ereignisse in den Sinn kommen; häufig beeinflusst durch emotionale Erlebnisse und Medienberichterstattung.
  • Anker-Effekt (Anchoring Effect): Einfluss der ersten erhaltenen Information auf nachfolgende Urteile; der Anfangswert dient als Referenzpunkt, der die Einschätzung beeinflusst.
  • Überoptimismus (Optimism Bias): Tendenz, die Wahrscheinlichkeit positiver Ereignisse zu überschätzen und negative Ereignisse zu unterschätzen; führt oft zu unvorsichtigem Verhalten.
  • Kognitive Dissonanz: Unangenehmes Gefühl, das entsteht, wenn eine Person widersprüchliche Überzeugungen oder Verhaltensweisen hat; kann zu Veränderungen in Überzeugungen oder Verhalten führen, um die Dissonanz zu reduzieren.
  • Sokratischer Dialog: Methode des Dialogs, die auf Fragen und Antworten basiert, um kritisches Denken und Selbstreflexion zu fördern; hilft, Annahmen zu hinterfragen und neue Perspektiven zu gewinnen.
  • Kognitive Verhaltenstherapie (KVT): Psychotherapeutischer Ansatz, der sich auf die Veränderung dysfunktionaler Denkmuster konzentriert, um emotionale und verhaltensbezogene Probleme zu behandeln.
  • Dieses Glossar soll Ihnen helfen, die Schlüsselbegriffe und Konzepte besser zu verstehen und die Inhalte des Artikels leichter zu verinnerlichen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Selbstreflexion ein kontinuierlicher Prozess ist, der Ihnen helfen kann, kognitive Verzerrungen zu erkennen und zu überwinden. Der sokratische Dialog bietet Ihnen eine leistungsstarke Methode, um Ihre Denkmuster zu hinterfragen und tiefere Einsichten zu gewinnen.

Wenn Sie mehr über kognitive Verzerrungen erfahren oder lernen möchten, wie Sie Ihre Selbstreflexion gezielt fördern können, lade ich Sie herzlich ein, sich in meiner Heilpraktikerpraxis für Psychotherapie in Düsseldorf zu melden. Gemeinsam können wir an Ihren Gedanken und Überzeugungen arbeiten und Ihnen helfen, ein bewussteres und erfüllteres Leben zu führen.

Nehmen Sie den ersten Schritt auf Ihrer Reise zur Selbstentdeckung!

Kontaktieren Sie mich noch heute für einen Termin. Ich biete individuelle Gespräche an, in denen wir Ihre spezifischen Herausforderungen und Ziele besprechen können. Ob es darum geht, negative Denkmuster zu erkennen, emotionale Blockaden zu überwinden oder Ihre persönliche Entwicklung zu fördern – ich freue mich darauf, Sie auf diesem Weg zu begleiten.

Telefon: 01575 8472 744
E-Mail: info@privatpraxis-ulrikemehmood.de
Webseite: www.privatpraxis-ulrikemehmood.de
Praxisadresse: Heilpraktikerpraxis für Psychotherapie Ulrike Mehmood, Im Ärztehaus Stresemannstr.7, 40210 Düsseldorf

Lassen Sie uns gemeinsam an Ihrer persönlichen Entwicklung arbeiten – ich freue mich darauf, Sie zu unterstützen!

Hier sind einige empfehlenswerte Quellen und weiterführende Literatur zu kognitiven Verzerrungen und verwandten Themen. Diese Ressourcen bieten tiefere Einsichten und wissenschaftliche Grundlagen:

  1. Daniel Kahneman – „schnelles Denken,lansames Denken
  • In diesem Buch erklärt Kahneman die zwei Systeme des Denkens und wie kognitive Verzerrungen unsere Entscheidungen beeinflussen.
  1. Richard Thaler und Cass Sunstein – „Nudge: Wie man kluge Entscheidungen anstößt“
  • Dieses Buch untersucht, wie kleine Änderungen in der Präsentation von Informationen Menschen helfen können, bessere Entscheidungen zu treffen.
  1. Tversky, A., & Kahneman, D. (1974). „Judgment under Uncertainty: Heuristics and Biases.“ Science, 185(4157), 1124-1131.
  • Eine grundlegende wissenschaftliche Arbeit, die die Prinzipien der kognitiven Verzerrungen und Heuristiken darstellt.
  • Link zur Studie
  1. Dan Ariely – „Denken hilft zwar, nützt aber nichts: Warum wir immer wieder unvernünftige Entscheidungen treffen
  • Ariely untersucht die irrationalen Entscheidungen, die wir in unserem Alltag treffen, und die zugrunde liegenden psychologischen Mechanismen.
  1. INFLUENCE – Wie man (andere) überzeugt. Nützliche Erkenntnisse der Psychologie: Der weltweite Bestseller | Manipulation erkennen und verstehen | Effektive Methoden für persönliche & berufliche Erfolge
  • The Decision Lab – Eine Plattform, die sich mit Verhaltenswissenschaften befasst und praktische Anwendungen von kognitiven Verzerrungen erklärt.
  • Simply Psychology: Cognitive Biases – Eine leicht verständliche Übersicht über verschiedene kognitive Verzerrungen.

Diese Ressourcen bieten Ihnen wertvolle Informationen und ein tieferes Verständnis der Mechanismen, die hinter kognitiven Verzerrungen stehen, sowie deren Auswirkungen auf unser tägliches Leben. 

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